Nach vier Jahren Studium heißt es für mich ab ins Auslandspraktikum. Über 9000 km weit weg von Familie und Freunden versuche ich mich im wunderschönen Taiwan durch zuschlagen. Meine großen und kleinen Abenteuer und Herausforderungen werde ich in dem Blog zusammenfassen und so allen die noch Daheim sind, Lust auf die Ferne machen und taiwanesische Leben etwas Näher bringen!
Hallo ihr Lieben,
die Zeit vergeht und bei uns stehen schon wieder Mid-Terms an, d.h. die Prüfungen zur Mitte des Semesters. Es ist in Taiwan recht üblich, dass man nicht wie in Deutschland nur Tests am Ende eines Semesters hat, sondern eben auch in der Mitte eines jeden Semesters. Und so muss ich feststellen, dass mir nur noch knapp sieben Wochen in Taiwan bleiben, und v.a. das danach mein Studentenleben endgültig der Vergangenheit angehört.
Für uns ging es letztens raus aus der Stadt, ein Artikel im Internet beschrieb eine Art Dorf, das aussieht, als hätten dort Aliens gelebt. Was sich nicht nur interessant las sondern auch interessant aussah, entpuppte sich als eine verlassene Hotellandschaft an der Nord-Ost-Küste Taiwans. Als das ganze noch in Betrieb war, war es sicherlich ganz hübsch und auch mal was anderes in Ufo-förmigen Bungalows zu schlafen, aber inzwischen schien die Hotelanlage geschlossen und die kleinen Häuschen ziemlich verfallen. Das einzige was heute dort noch lebt, sind vielleicht ein paar Mäuse.
Zum Glück war aber der Ort nah bei Yeliu, einem kleinen Örtchen mit Steinformationen, die durch das Meer geformt wurden. Bekannt wurde das ganze, weil einer der Steine aussieht wie der Kopf einer Königin. Da aber auch heute noch Erosionen stattfinden, wird der Hals der Königin immer dünner und die Taiwanesen bangen, dass der Kopf bald abbrechen wird. Und ich muss sagen, da ich schon vor zwei Jahren dort war, der Kopf sieht tatsächlich etwas anders aus. Der Naturpark in Yeliu ist ein beliebtes Ausflugsziel von einheimischen Touristen und v.a. von den unzähligen Reisegruppen aus Festland China, wer einmal in Taiwan unterwegs war, lernt die Ruhe mancher Orte, wo nicht gerade einer dieser Reisebusse „ausgekippt“ wurde, zu schätzen. Oder man sucht sich einfach einen kleinen Wanderweg und schon hat man seine Ruhe wieder, der eines mögen diese Touristen meist nicht, laufen und vor allem nicht, wenn es warm und sonnig ist. Denn dann packt der typische asiatische Tourist entweder seinen Schirm aus, der kurzerhand vom Regenschirm zum Sonnenschirm umfunktioniert wird, oder aber verhüllt sich in langer Kleidung. Gilt in Europa eher: umso wärmer das Wetter, desto kürzer die Kleidung, kann man hier sagen, umso wärmer das Wetter, umso bedeckter die Haut, denn man könnte ja braun werden.
Neben viel Sonne ist der taiwanesische Sommer auch durch viel Getier gekennzeichnet, drinne, draußen, einfach überall. An Kakerlaken auf der Straße hab ich mich schon gewöhnt, man muss nur aufpassen, dass man nicht auf sie drauf tritt, denn die kleinen Tiere tragen die Eier unter dem Panzer, und wenn man sie zertritt, hat man sie unter dem Schuh und verteilt sie so munter weiter. Das macht es auch so schwer, sie in der Wohnung umzubringen, denn man will ja nicht die ganzen Eier und damit noch mehr Kakerlaken in der Wohnung haben. Nachdem ich vereinzelt schon mal kleine Spinnen und kleine Kakerlaken-Babys im Frühjahr in meiner Wohnung hatte, werden die Tierchen jetzt im Sommer etwas größer. Wenn ich sie sammeln würde, könnte ich sicher bald einen kleinen Zoo eröffnen: neben Spinnen in allen Größen und Kakerlaken hat mich auch schon ein Gecko in meinem Zimmer besucht- definitiv etwas, was ich in Deutschland nicht vermissen werde. Letztes Wochenende war ich mit einer Freundin in einer deutschen Bäckerei frühstücken, diesmal nicht in dem Laden in der Stadt sondern etwas weiter im Norden Taipei’s. Zu meiner Überraschung ein riesiges deutsches Restaurant, welches wie es scheint am Sonntagmorgen ein beliebtes Frühstückdomizil der Taiwanesen ist. Und so gab es für uns typisch deutsches Frühstück: Brot, Wurst, Marmelade, Ei und Kuchen. Das ist definitiv ein großer Vorteil von Taipei, egal wie weit weg man von zu Hause ist, dank solcher Köstlichkeiten muss man Deutschland nie zu sehr vermissen.
(Heidi Klum Breakfast- zumindest meine taiwanesische Freundin wusste nicht, wer Heidi Klum ist)
scheinbar wäre ein Angela Merkel Frühstück besser :)
Ich wünsche euch einen schönen Start in die Woche.
Liebe Grüße Niggy