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11. November 2013 1 11 /11 /November /2013 11:09

Hallo ihr Lieben,

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das vergangene Wochenende habe ich fernab vom hektischen Großstadtleben, dem Unileben und generell dem alltägliche Leben verbracht. Ich war in einer der größten Tempelanlagen Taiwans- in Fo Guang Shan. Fo Guang Shan ist eine sehr offene buddhistische Gemeinschaft, deren Nonnen und Mönche sich intensiv in das gesellschaftliche Leben und die Bildung eingebunden. Es gibt weltweit 400 solcher Anlagen, aber die im Süden Taiwans ist die Größte und Wichtigste. Das wird einem auch bei dem Anblick des imposanten Geländes, mit den vielen Gebäuden und den detailreichen Verzierungen, deutlich. Neben dem Kloster befindet sich zudem ein Buddha Memorial Center auf dem Gelände. Da ich Freitag etwas eher als ich musste dort war, hatte ich schon etwas Zeit das Gelände zu erkunden und habe das Buddha Memorial Center besucht. Das ist der Teil, den wohl auch die meisten Touristen und vor allem auch Pilgerer besuchen. Der Weg zu der großen Buddha Statue ist umgeben von 8 Pagoden, die für den edlen achtfachen Pfad des Buddhismus stehen. Die über 100 Meter hohe Buddha Statue, die eine der größten Buddha Bronzestatuen (sitzender Buddha) ist, wird umgeben von 4 Stupas, die für die 4 edlen Weisheiten stehen. Freitag hatte ich sehr viel Glück mit dem Wetter und vor allem mit dem Sonnenuntergang, wodurch das eh schon beeindruckende Areal noch schöner aussah.

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Nach meinem kleinen Rundgang ging es mit einem zu groß gewordenen Golf-Auto in die Klosteranlage. Dort kamen mir sofort viele Mönche und Nonnen entgegen, die gerade in perfekten Reihen zum Speisesaal gingen und dabei kein Wort sagen durften und auch keine Miene verzogen (so diszipliniert sind auch wir das restliche Wochenende rumgelaufen). Angekommen an der Unterkunft musste ich mich auch als erstes umziehen. Wir bekamen alle einheitliche graue, weite und sehr bequeme Kleidung, die unser täglicher Begleiter für die kommende zwei Tage wurde. Nachdem auch der Rest angekommen war, durften nun auch wir uns der Größe nach in zwei Reihen aufstellen, um anschließend still schweigend zur ersten Aktivität zu schreiten. Das Schweigen blieb das ganze Wochenende wohl meine größte Herausforderung. In einem Klassenraum angekommen lernen wir zunächst etwas Grundlegendes über buddhistische Verhaltensweisen, wie man läuft, wie man isst, wie man betet, wie man den Lehrer begrüßt und verabschiedet. Das mit dem Essen war besonders spannend,  immerhin stand zweimal ein gemeinsames Essen mit den Nonnen und Mönchen auf dem Programm. Im Rahmen der Lektion „How to take a meal in a Monastery“ lernten wir zunächst, dass beim Essen nicht nur jegliches Reden untersagt ist, sondern auch jeglicher Lärm zu vermeiden ist. Wir lernten die verschiedenen Regeln, wie man denen im Speisesaal diensthabenden Mönchen und Nonnen zeigt, was man Essen möchte, wie viel, wie man die Schüsseln und Teller bewegen darf, wann man betet, wann man singt, wie man sich hinsetzt, usw. Das Essen im Kloster ist voll vegetarisch und wird ohne Zwiebeln und Knoblauch zubereitet, da die zwei Zutaten anscheinend das sexuelle Verlangen steigern.

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Anschließend gingen wir, nun Klostergerecht, zu einem der 5 Schreine des Geländes und bekamen eine Einführung in die Meditation. Zurück in der Unterkunft besagte eine der unzähligen Regeln, dass man um 22 Uhr das Licht ausmacht und schlafen geht, was auch gut so war, immerhin sind wir 5:45 Uhr schon wieder aufgestanden.

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Wie schon am Vorabend ging es aufgereiht zur Outdoor Meditation, wobei schon der Weg dahin im stillschweigen als Walking Meditation zählt. Nach dem anschließenden Frühstück verwandelten wir auch die nächste eigentlich alltägliche Aktivität in eine Meditation und so wurde aus dem für jedermann bekannten Straßen kehren eine Cleaning Meditation. Am Anfang kamen uns zwar sowohl die Besen als auch die Weise, wie man sie verwendet nicht wirklich effizient vor, aber am Ende war die Straße überraschender Weise wirklich sauber. Weiter ging es mit einer Tour über das Gelände, zum Great Buddha Land, einem Buddha Museum und zur Pure Land Cave. Danach hat die für uns zuständige Nonnen an dem Wochenende glaub ich unsere Gedanken gelesen und es gab eine Kaffee-Pause. Das frühe aufstehen an sich war kein Problem, aber gleich im Anschluss daran zu meditieren, machte mich dann doch etwas müde, aber der Kaffee zeigte seine Wirkung und ich war endlich wach. Danach besichtigten wir den Hauptschrein des Geländes. Der Schrein beherbergt drei riesige Buddha Statuen die umgeben werden von 10.100 kleineren Buddhas. So verflog die Zeit am Vormittag sehr schnell und schon war es Zeit für das Mittagessen, was unsere erste offizielle Mahlzeit mit den Mönchen und Nonnen des Klosters war. In unseren inwzischen fast perfekten Reihen begaben wir uns in den riesigen Speisesaal, beteten und sangen, Während des Gesangs servieren Nonnen und Mönche des Klosters das Essen. Was man Essen möchte, platziert man wie gelernt vor sich, was man nicht möchte wird wieder abgeholt. Alles was man sich vorgenommen hatte zu Essen, muss man auch Essen, da die Buddhisten nichts verschwenden wollen. Am Ende singt man wieder, und wie von Zauberhand säubert und leert sich der Tisch wieder.

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Am Nachmittag hatten wir eine Kalligraphie Stunde, waren in der Kunst Galerie des Geländes und hatten eine „Vorlesung“ über Buddhismus. Am Abend bekamen wir eine kleine Einführung ins vegetarische Kochen des Tempels, so wurde aus dem in Taiwan so beliebten Blutreis, Reise mit roten Bohnen gefärbt, Pilze wurden dank einer mysteriösen Gewürzmischung zu Hühnchen (es hat am Ende tatsächlich wie Hühnchen geschmeckt). Anstatt Fleisch-Steak gab es Tofu-Steak und die Baozi wurden auch rein vegetarisch zubereitet. Das einzige Fleisch in der Küche war eine kleine Kakerlake die vor der Köchin flüchtete, als diese ihr Haus, ein Topf, hoch gehoben hat. Vollgegessen rollten wir uns zunächst in die nächste Unterrichtsstunde und dann den Berg hoch in einen der 5 Schreine zum meditieren. Am Ende sind wir alle sehr müde aber voller toller neuer Eindrücke ins Bett gefallen, und vor allem mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Nacht um 5:10 endet, was das schlafen gehen um 22 Uhr gar nicht so früh erscheinen lässt.

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Am nächsten Morgen wurden wir pünktlich von den Betreuern geweckt und hatten wieder nur 10 Minuten Zeit um uns fertig zu machen. Diesmal ging es in den Hauptschrein zum Morgengesang der Mönche. Der Schrein sah diesmal noch beeindruckender aus. Jede der kleinen Höhlen der über 10.000 Buddhas war durch ein kleines Licht beleuchtet. Am Ende des Gesangs verließen wir mit allen Mönchen und Nonnen den Schrein und folgten ihnen in den riesen Speisesaal. Das salzige Frühstück wird definitiv nicht zu meinem Favorit, aber immerhin gab es Spinat, das kann ich zu jeder Tageszeit essen. Den restlichern Vormittag durften wir wieder unseren normalen Klamotten anziehen und haben das Buddha Memorial Center besichtigt. Nach einer abschließenden Unterrichtsstunde stand dann am Nachmittag auch schon die Verabschiedung an und es ging zurück ins normale Leben und vor allem in den kalten Norden Taiwans.

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Obwohl man in dem Kloster viele Regeln beachten und oft stillschweigen bewahren muss, war es für mich eine unvergessliche Erfahrung.

Jetzt geht es in die letzte Phase des Semesters- nur noch wenige Tage Unterricht bevor unsere finalen Tests anstehen und bevor es in den Urlaub auf die Philippinen geht.

 

Liebste Grüße aus Taiwan,

Niggy

 

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Published by taiwan-touched-with-pink - in Reisen in Taiwan
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Kommentare

Ariana 11/25/2013 13:35

Huhu Niggy,

wow, das war einer der beeindruckendsten Einträge bisher! So viele Erlebnisse in so kurzer Zeit. Ich bin wie immer neidisch! :)
Freue mich schon auf neue Geschichten aus deinem Urlaub. Wie sind denn die Tests gelaufen? Du redest immer vom kalten Taipei... Sollen wir dir mal ein bisschen deutsches Wetter rüberschicken?
;)
Übrigens glaube ich nicht, dass unser Gesundheitsamt nur die Hälfte der taiwanesischen Staßenstände verbieten würde. Ich schätze, es wären mindestens 80%. :D
Respekt auch dafür, Taipei mit dem Fahrrad zu bewältigen!

Ganz liebe Grüßchen in die Philippinen!
Ari

taiwan-touched-with-pink 12/07/2013 15:18



Huhu Liebe Ari,


Danke, freut mich das es dir gefallen hat. Wie geht es dir?


lg



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  • : Nach vier Jahren Studium heißt es für mich ab ins Auslandspraktikum. Über 9000 km weit weg von Familie und Freunden versuche ich mich im wunderschönen Taiwan durch zuschlagen. Meine großen und kleinen Abenteuer und Herausforderungen werde ich in dem Blog zusammenfassen und so allen die noch Daheim sind, Lust auf die Ferne machen und taiwanesische Leben etwas Näher bringen!
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