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21. Dezember 2013 6 21 /12 /Dezember /2013 15:08

Hallo ihr Lieben,

 

mein letzter Eintrag ist schon wieder zwei Wochen her, also höchste Zeit mal wieder zu berichten, was in Taipei vor sich geht, während sich Deutschland auf Weihnachten vorbereitet.

Der erste Tag nach einer Woche Urlaub und keinem Chinesisch war schon etwas anstrengend, aber inzwischen hab ich mich gut wieder in den Uni-Alltag hineingefunden. Wie schon im ersten Semester hier, habe ich auch dieses Semester wieder den Mittagskurs abbekommen, d.h. ich habe täglich von 12:10 Uhr bis 15 Uhr Chinesisch-Kurs. Da wir außer Dienstag jeden Tag einen kleineren oder größeren Test haben, ist das aber ganz angenehm, da man morgens noch mal in die Bücher schauen kann oder doch einfach mal ausschlafen kann. Gerade nutze ich aber die Morgenstunden und die Zeit nach meinem Kurs, um den Schülern einer Junior High-School  einige Fakten über Deutschland und Weihnachten bei uns zu Hause zu präsentieren. Die Studentenorganisation, über die ich vor zwei Jahren mein Praktikum hier gefunden habe, hatte mich gefragt, ob ich ihnen da helfen kann. Und es ist ziemlich interessant, was die Kinder so über Deutschland wissen bzw. eher nicht wissen, wie der Schulalltag hier so ist und vor allem zu sehen, wie sich die Kinder hier gegenüber den Lehrern verhalten. Junior High-School entspricht in Deutschland der 7., 8. und 9. Klasse. Zunächst einmal habe ich also festgestellt, dass das bei mir so ziemlich 10 Jahre her ist und die Schüler 8 bis 10 Jahre jünger sind als ich- das war dann der „Ahh-du-wirst-alt“-Aufschrei in meinem Kopf, aber immerhin schätzen mich alle jünger :)

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An den Schulen hier in Taiwan ist es normal, dass alle Schüler Schuluniformen tragen müssen. Die Schule an der ich bin, hatte leider bei der Kleidervergabe nicht allzu viel Glück. Die Schuluniformen sehen eher aus wie Jogging-Anzüge und erinnern mich eher an einen gemütlichen Abend auf der Couch als an Schule. Auch meine Mitbewohnerin meinte, dass das wirklich nicht die schönsten Schuluniformen sind, die es hier so gibt. Aber die Schüler haben keine Wahl, Tagein, Tagaus müssen sie zumindest die Zeit, die sie in der Schule sind, diese modischen Highlights tragen. Und da in Taiwan ein Schultag gerne mal von 8:30 Uhr bis 17:40 Uhr  geht und die Kleinen danach noch in die Cram School, eine Art Ergänzungsunterricht, gehen, bedeutet das eben doch die ganze Woche. Wie ich finde, sind auch eine Regeln ziemlich strikt. So müssen alle Schüler vor dem Unterricht ihre Handy’s abgeben, die werden in Plastikboxen im Lehrerzimmer bis nach Unterrichtsschluss verwahrt und dürfen erst danach wieder abgeholt werden.

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Der Montagmorgen hat mich auch an der Schule ein bisschen an Armee erinnert, nicht das ich jemals in der Armee gewesen wäre, aber das entspricht so ziemlich der Vorstellung, die ich davon habe. Mit lauter Musik wird eingeläutet, dass es nun Zeit ist, dass alle Schüler auf dem Schulhof einmarschieren und sich zum all- montaglichen Appell versammeln. So marschieren aus allen Richtungen Schüler in ihren Schlumpfblauen-Uniformen mit einem kleinen orangen Klappstuhl unterm Arm Richtung Schulhof, stellen sich in Reih und Glied und nach Klassen sortiert auf. Nach einem kurzen Gesang dürfen sich alle Schüler auf ihren Mini-Klappstühlen hinsetzen und den Lehrern lauschen, was sie so zum neuem Wochenbeginn zu verkünden haben. Auch wenn ich das Spektakel jeden Montag in der Schule gegenüber von meinem Zimmer beobachten kann, ist es doch jedes Mal wieder etwas befremdlich.

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Nachdem alle Schüler wieder in den Klassen angekommen war, ging auch für mich der Unterricht los. Wie auch in Deutschland geht eine Unterrichtsstunde 45 Minuten. Neben meiner Präsentation sollen die Schüler in der Zeit auch die Möglichkeit haben, ihr Englisch zu üben und mir Fragen zu stellen. Das mit den Fragen ist auch nicht so das Problem, anstatt auf Englisch zu fragen, testen sie dann doch lieber mein Chinesisch. Die Lieblingsfrage ist natürlich, wie alt ich bin. Das spannende war, als die Frage das erste Mal auftauchte, war die Lehrerin der Meinung, dass das eine zu persönliche Frage ist. Spätestens nach der zweiten Frage wurde mir aber klar, dass die taiwanesische Auffassung von privaten Fragen und das, was wir in Deutschland unter einer privaten Frage verstehen, doch zwei Paar Schuhe sind. Die zweitliebste Frage ist, ob ich einen Freund habe oder ob ich verheiratet bin, weil ich Ringe trage. Das ist mir schon bei meinem ersten Aufenthalt hier aufgefallen, dass sobald man als Frau Ringe trägt, alle denken, man sei verheiratet. Aber die Fragen über meinen Beziehungsstatus wundern hier mich schon lange nicht mehr, das ist den Taiwanesen ihr liebstes Thema. Normalerweise wusste jeder meiner Chinesisch Lehrer hier spätestens nach der ersten Woche den Beziehungsstatus aller Studenten des Kurse, wie lange man zusammen ist und oftmals auch noch, welche Problemchen gerade vorliegen. Dieses Semester habe ich tatsächlich das erste Mal eine Lehrerin, die das so detailliert noch nicht bei allen nachgefragt hat. Ansonsten haben die Kinder ähnliche Fragen wie alle Taiwanesen, ob man taiwanesisches Essen mag, welche Essen man am liebsten hat, ob man Stinky Tofu und Hühnerfüße mag, welches der Lieblingsort in Taiwan ist, usw. Das lachen musste ich mir verkneifen, als das erste Mal die Frage aufkam, ob ich Pink mag, eigentlich ist das so offensichtlich, das mich das noch keiner gefragt hat.

Am spannendsten für mich ist es in der Zeit in der Schule zu sehen, wie die Schüler mit den Lehrern umgehen. Ich glaube wir waren etwas netter zu unseren Lehrern. Helen, eine taiwanesische Freundin von mir, meinte aber, dass es auch hier ein Generationsding sei, dass die jetzigen Schüler aufmüpfiger den Lehrern gegenüber sind, als zu ihrer Schulzeit. Mir würde auf Dauer das Geschreie doch etwas auf die Nerven gehen J Wenn man den Lehrer Job in Taiwan aber nur aus der Urlaubsperspektive betrachtet, ist es der perfekte Job in Taiwan. Immerhin hat man dann sowohl Winter- als auch Sommerferien – was im Vergleich zu den normalen Büroarbeitern, die hier im ersten Jahr meist gar keinen Urlaub haben und dann die ersten Jahre im Durchschnitt mit 5-7 Tage Urlaub im Jahr klar kommen müssen, schon relativ luxuriös ist.

Die Zeit in der Schule ist auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und auch eine nette Abwechslung zu meinem Uni-Alltag, und während alle in Deutschland sich also auf den letzten Arbeitstag des Jahres freuen, gehe ich munter weiter in die Schule und Uni. Und zum Glück gibt es ja auch noch Wochenenden, wo man was unternehmen kann. Letztes Wochenende waren wir Samstagabend in einem deutschen Restaurant essen. Dank original deutschen Speisen und einer deutschen Karte, konnte man sich der Heimat doch etwas Näher fühlen.

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Am Sonntag ging es dann mit einer Freundin nach Jiufen, leider war das Wetter alles andere perfekt und so wurden wir ziemlich nass. Und das beste was man bei solch einem Wetter machen kann, ist essen und Tee trinken. Und so haben wir uns durch die kleinen Gässchen Jiufen’s gegessen und uns am Ende ein kleines Teehaus gesucht und uns wieder aufgewärmt.

 

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Ich wünsche euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest, ruhige Weihnachtsfeste und schöne Feiertage im Kreise der Liebsten.

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Liebste Grüße,

Niggy

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Published by taiwan-touched-with-pink - in Studieren in Taiwan
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  • : Nach vier Jahren Studium heißt es für mich ab ins Auslandspraktikum. Über 9000 km weit weg von Familie und Freunden versuche ich mich im wunderschönen Taiwan durch zuschlagen. Meine großen und kleinen Abenteuer und Herausforderungen werde ich in dem Blog zusammenfassen und so allen die noch Daheim sind, Lust auf die Ferne machen und taiwanesische Leben etwas Näher bringen!
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